Morbus Bechterew und Spondylitis Ankylosans und rheumatoide Arthritis sowie Rheuma und Rücken. TNF-Alpha Therapie, NSAR, Cox 2, Diagnose und Radium

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(Spondylitis ankylosans) 
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Update 24.08.2007

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HLA B27 und Morbus Bechterew

95% der Patienten mit M. Bechterew haben den Gewebemarker HLA-B27, ein HLA Klasse I-Molekül, welches nur bei etwa 7-8% der Gesunden vorkommt. Die HLA-Klasse I-Moleküle sind Oberflächenmoleküle, welche auf fast allen Körperzellen vorhanden sind und eine wichtige Rolle bei der Infektionsabwehr und der Unterscheidung des Immunsystems zwischen "fremd und eigen" spielen. Ähnlich wie die Blutgruppen bleiben sie bei jedem Menschen das ganze Leben gleich, sind aber von Individuum zu Individuum unterschiedlich. HLA-B27 kommt in manchen Familien gehäuft vor.

Das HLA-B27-Molekül hat eine dreidimensionale Form, in der es, anders als andere HLA-Moleküle, bestimmte Bakterien, insbesondere die Erreger von Durchfall und Harnröhrenentzündungen (Yersinien, Salmonellen, Chlamydien u.a.) einschließt und sie damit für die T-Lymphozyten erkennbar macht. Die T-Lymphozyten sind spezielle Zellen , die bei der Immunabwehr eine wichtige Rolle spielen. Dem medizinischen Laien sind sie sicherlich im Zusammenhang mit Aids bzw. einer HIV-Infektion bekannt geworden.

Die T-Lymphozyten sind jedoch nicht in der Lage, die eingeschlossenen Bakterienbestandteile wirksam zu eliminieren, so dass es auf diese Weise zu einer chronischen Entzündung kommt. Tatsächlich wurden bei Patienten mit M. Bechterew und anderen verwandten Erkrankungen, durch HLA-B27 aktivierte, sogenannte zytotoxische T-Lymphozyten gefunden, die solche chronischen Entzündungen verursachen können. Die chronische Entzündung, welche aus ungeklärter Ursache vor allem die Wirbelsäule betrifft, führt zu einer allmählichen Verknöcherung der Weichteile zwischen den Wirbelkörpern und zur Zerstörung der betroffenen Gelenke.

Aber nicht nur diese Krankheitserreger scheinen für die fehlerhafte Immunreaktion beim M. Bechterew verantwortlich zu sein, sondern auch die ganz normalen Keime der Darmflora scheinen dabei eine Rolle zu spielen. So sind transgene Mäuse, das sind Mäuse, die durch gentechnische Methoden ein menschliches HLA-B27 Gen tragen fast völlig gesund , sofern Sie in einer keimfreien Umgebung aufwachsen. Werden diese Mäuse jedoch mit den üblichen Umgebungskeimen konfrontiert und bilden sie somit die normale Darmflora aus, entwickeln sie das Vollbild eines M. Bechterew. Daraus lässt sich schließen, dass HLA-B27 dazu führen kann, dass sich das Immunsystem in diesem Fall mit den ganz normalen Keimen der Darmflora auf eine Weise auseinandersetzt, die zu einer chronischen Entzündung führt.

Mit der Assoziierung zum Antigen HLAB-27 gibt es übrigens auch noch einige andere, von daher verwandte Erkrankungen: Psoriasis Arthritis (Schuppenpflechte mit Gelenk- und Wirbelsäulenbeteiligung), Morbus Crohn (Entzündung des unteren Dünndarms), Colitis ulcerosa (chronische Dickdarmentzündung), Morbus Reiter (Entzündung von Harnröhre und Bindehaut) und die juvenile chronische Arthritis.

HLA-B27-assoziierte Iridozyklitis

Auch ohne jede Gelenk- oder Wirbelsäulensymptomatik kann es bei HLA-B27 positiven Patienten zu immer wiederkehrenden Entzündungen der Regenbogenhaut des Auges (Iridozyklitis) kommen. Erfahrungsgemäß kann man in schwereren Fällen mit einer Therapie mit Sulfasalazin (Azulfidine, Pleon) die Häufigkeit und Schwere der Schübe reduzieren.

Schuppenflechtsarthritis (Psoriasisarthropathie) mit Wirbelsäulenbeteiligung

Die Schuppenflechtsarthritis kann vor allem bei HLA-B27 positiven Patienten auch die Wirbelsäule incl. das Iliosacralgelenk betreffen. Im Röntgen findet man dann aber sehr charakteristische Veränderungen, die sich recht gut vom M. Bechterew unterscheiden lassen.

HLA-B27 und das Risiko, krank zu werden

HLA-Moleküle hat jeder Mensch auf der Oberfläche kernhaltiger Zellen. Diese HLA-Moleküle haben wichtige Funktionen in der Kommunikation zwischen den Zellen untereinander. Im Falle einer Infektion werden mittels HLA-Molekülen die Bakterien  oder Viren den Immunzellen (Abwehrzellen) präsentiert, damit diese die Infektion wirksam bekämpfen können. HLA-B27 ist nur eines dieser vielen verschiedenen HLA-Moleküle, die ein Mensch besitzen kann. In Europa sind 6-13% aller Menschen positiv für HLA-B27 (in Berlin 9,3%). HLA-B27 zu besitzen ist also etwas durchaus Normales und macht für sich genommen nicht krank. Im Gegenteil, viele experimentelle Untersuchungen zeigten, dass Grippeviren besonders gut bekämpft werden von Menschen, die HLA-B27 positiv sind.

 

Andererseits ist aber auffällig ist, dass überdurchschnittliche viele Patienten mit SpA positiv für HLA-B27 sind: etwa 90% der AS-Patienten und 40-70% der Patienten mit anderen SpA sind HLA-B27 positiv. Dennoch macht HLA-B27 allein keine Diagnose. Nur wenn andere SpA-typischen Symptome/Zeichen vorliegen, kann ein positiver HLA-B27 Befund die Wahrscheinlichkeit erhöhen, wirklich an einer SpA erkrankt zu sein. Welche Rolle HLA-B27 bei diesen Erkrankungen spielt, ist noch ungeklärt. Wenn eine SpA vorliegt, hat der HLA-B27 positive Patient statistisch gesehen ein größeres Risiko, eine Wirbelsäulenbeteiligung mit entzündlichem Rückenschmerz und auch AS zu entwickeln. Ferner muß er mit einem eher chronischen und eher schwereren Krankheitsverlauf rechnen.

 

An AS sind etwa 0,1- 0,9% der allgemeinen Bevölkerung erkrankt. Geht man davon aus, dass 9% der Bevölkerung HLA-B27 positiv sind, erkranken von 100 HLA-B27 positiven Menschen lediglich 1 bis maximal 10 an einer AS.

Vererbbarkeit des Merkmals HLA-B27 positiv siehe unter Epidemiologie