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Antientzündliche Therapie von Morbus Bechterew mit CortisonIn Übersichtsartikeln und rheumatologischen Lehrbüchern wird meist festgestellt, dass Glukokortikoide (cortisonhaltige Medikamente) und Analgetika (reine Schmerzmittel) für die Therapie des Wirbelsäulenschmerzes selten erforderlich sind. Allerdings ergab eine kürzlich publizierte Studie, dass etwa 30% der Patienten mit einer Spondylitis ankylosans Schmerzmittel einnehmen. Im Fall einer mittleren bis schweren aktiven Erkrankung war die Rate noch höher. Auch Rheumatologen verschreiben bei fast der Hälfte der Patienten Analgetika (im Alter sind Schmerzmittel vorzuziehen). Zusammenfassend muss festgehalten werden, dass das Ziel der Schmerzfreiheit bei einem erheblichen Anteil der Patienten nicht erreicht wird. Für diese Patienten ist eine wirksamere entzündungshemmende Therapie erforderlich. Braun und Bollow berichten über eine erfolgreiche Glukokortikoid-Injektion ins Iliosakralgelenk im Fall eines therapierefraktären (auf die Therapie nicht ansprechenden) tiefsitzenden Rückenschmerzes aufgrund einer Sakroiliitis (Entzündung der Iliosakralgelenke). Auch eine Glukokortikoid-Injektion in die Nähe des Gelenks führt bereits zu einer signifikanten Schmerzlinderung. Die übliche Einnahme von cortisonhaltigen Medikamenten durch den Mund hat nur eine geringe (wenn überhaupt vorhandene) Wirkung auf die Wirbelsäulenbeteiligung. Eine intravenöse (in eine Vene gegebene) Glukokortikoid-Stoßinjektion (mit hochdosiertem Cortison, meist 250 mg) ist jedoch bei schweren NSAR-refraktären Schüben hilfreich. Zwei offene Studien und zwei Dosisfindungsstudien zeigten eine signifikante Verbesserung bezüglich Morgensteifigkeit, Rückenschmerz und Wirbelsäulenbeweglichkeit. Die maximale Wirkung war nach einer Woche erreicht und hielt für 3 bis 21 Monate an. 3 oder 4 Stoßinjektionen waren wirksamer als 1 oder 2. Die Prednisolon-Äquivalenzdosis von 1 g war nicht wirksamer als 375 mg. Was ist Cortison? Cortison ist ein lebensnotwendiges Hormon, das der Körper selbst in der Nebennierenrinde herstellt. In hohen Dosen wirkt dieses Hormon stark entzündungshemmend. Das wird in der Behandlung Ihrer Erkrankung genutzt. Cortison, Glucocorticoide und Steroide sind verschiedene Namen für die gleiche Medikamentengruppe. Die einzelnen Präparate unterscheiden sich in ihrer Wirkstärke und in ihren Nebenwirkungen. Ein häufig eingesetzter Cortisonwirkstoff heißt Prednisolon. Wann tritt eine Wirkung ein ? Eine Besserung tritt sehr rasch
innerhalb von Stunden bis Tagen ein. Wie wird die Behandlung mit Cortison durchgeführt ? Die für Sie erforderliche Dosis richtet sich nach Ihrer Erkrankung. In der Regel wird mit einer hohen Cortisondosis begonnen, um Ihre Erkrankung schnell zu bessern. So bekommen Sie zu Beginn zum Beispiel 30 mg oder auch 250 mg Prednisolon täglich. Wenn eine Wirkung eingetreten ist, wird Ihr Arzt die Dosis reduzieren und, wenn möglich, die Behandlung auch beenden. Was ist eine Low-dose-Therapie? Darunter versteht man eine längerfristige Cortisonbehandlung mit einer möglichst niedrigen Dosis. Ihr Arzt wird mit Ihnen gemeinsam die für Sie gerade noch wirksame Cortisonmenge ermitteln. Dazu wird er in kleinen Schritten die Dosis abbauen, zum Beispiel alle 4 Wochen um 1 mg Prednisolon. Die Dosis sollte so niedrig wie möglich sein, um das Risiko unerwünschte Wirkungen zu verringern. Inzwischen weiß man, daß selbst geringe Cortisonmengen wie z. B. 3 - 6 mg Prednisolon wirksam sind. Was müssen Sie bei einer Cortisonbehandlung unbedingt beachten ? Sie nehmen Ihre Cortisontabletten
morgens auf einmal ein, am besten in der Zeit zwischen 6 und 8 Uhr. Der Körper
produziert in den frühen Morgenstunden das meiste Cortison, so daß eine
Einnahme morgens die körpereigene Hormonbildung am wenigsten stört. Manchmal
ist es erforderlich, daß auch abends noch eine geringe Cortisondosis
eingenommen werden muß. Darüber entscheidet Ihr Arzt. Wie lange wird die Behandlung mit Cortison durchgeführt ? Die Behandlungsdauer richtet sich
nach Ihren Beschwerden und Ihren medizinischen Befunden. Bei Besserung kann die
Dosis nach Rücksprache mit Ihrem Arzt reduziert oder die Behandlung ganz
beendet werden. Häufig ist aber gerade bei chronischen Erkrankungen eine längerfristige,
niedrig dosierte Cortisontherapie erforderlich. Welche Nebenwirkungen können auftreten ? Unerwünschte Wirkungen treten vor allem bei langfristiger und hochdosierter Cortisonbehandlung auf, bei niedrigeren Dosen sind sie seltener. Viele Patienten berichten über ein stärkeres Hungergefühl. Es kann auch zu einem runderem Gesicht oder einer Muskelschwäche kommen. Einige Patienten bemerken Veränderungen an der Haut, wie z. B. vermehrt Pickel oder kleinere Blutungen. Gelegentlich kommt es zu psychischen Reaktionen auf eine Cortisontherapie. Einige fühlen sich euphorisch, seltener sind Depressionen. Sollten Sie schon einmal an einer Depression erkrankt sein, sagen Sie dies ihrem Arzt. Eine Entkalkung der Knochen, eine sogenannte Osteoporose, kann sich besonders bei einer längeren und höher dosierten Cortisontherapie entwickeln. Deswegen erhalten viele zusätzlich Calcium und Vitamin D, um einer Osteoporose vorzubeugen. Gelegentlich kommt es auch zu Blutzuckersteigerungen, die eine entsprechende Behandlung erfordern. Magenschleimhautentzündung und Magengeschwüre treten meist auf, wenn gleichzeitig andere Medikamente, wie z. B. cortisonfreie Entzündungshemmer (NSAR) oder Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin, ASS) eingenommen werden. Wenn Sie Fieber haben oder wenn andere Hinweise auf eine Infektion vorliegen, suchen Sie Ihren Arzt umgehend auf. Ungewöhnlich starker Durst und häufiges Wasserlassen können auf eine Zuckerkrankheit hinweisen. Sollten bei Ihnen solche Beschwerden auftreten, informieren Sie ebenfalls Ihren Arzt darüber. Worauf sollten Sie selbst während einer Cortisontherapie achten? Eine Cortisonbehandlung darf niemals ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt abgebrochen werden, denn durch die Therapie ist die körpereigene Cortisonproduktion unterdrückt. Es kann sonst zu gefährlichen Mangelerscheinungen kommen, da Ihr Körper nicht in der Lage ist, sofort wieder eine ausreichende Cortisonmenge herzustellen. Außerdem wird sich Ihre Erkrankung verschlechtern. Durch eine calciumreiche Ernährung können Sie dazu beitragen, daß sich eine Osteoporose möglichst nicht entwickelt oder, falls bei Ihnen schon eine Osteoporose bestehen sollte, nicht verschlechtert. Jeden Tag sollten Sie etwa 1 - 1,5 g Calcium zu sich nehmen. Viel Calcium ist zum Beispiel in Milch ( 1 l Milch = 1,2 g Calcium) und Milchprodukten, wie Käse oder Jogurt, enthalten. Außerdem sollten Sie besonders während einer Cortisontherapie auf eine ausgeglichene eiweiß- und vitaminreiche Ernährung achten. Wichtig ist eine salzarme Kost, um Wassereinlagerungen zu vermeiden. Jeden Tag sollten Sie sich wiegen und Ihr Gewicht aufschreiben. Bei einer Gewichtszunahme überprüfen Sie Ihre Ernährung: Wieviel Kalorien habe ich täglich zu mir genommen? Sprechen Sie außerdem mit Ihrem Arzt, ob möglicherweise Wassereinlagerungen vorliegen können. Wie oft müssen die Kontrolluntersuchungen bei Ihrem Arzt durchgeführt werden? Die notwendigen Kontrollen richten sich nach Ihrer Erkrankung und der deswegen erforderlichen Cortisondosis. Ihr Arzt entscheidet, wie oft Sie zu einer Untersuchung in die Praxis kommen sollen. Zusätzlich sollte bei längerfristiger Cortisontherapie einmal im Jahr eine augenärztliche Untersuchung erfolgen.
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