Morbus Bechterew und Spondylitis Ankylosans und rheumatoide Arthritis sowie Rheuma und Rücken. TNF-Alpha Therapie, NSAR, Cox 2, Diagnose und Radium

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(Spondylitis ankylosans) 
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Update 24.08.2007

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Historische Entwicklung von Morbus Bechterew

Der Morbus Bechterew ist keine Erkrankung der Neuzeit. Pathoanatomische Studien zeigten bereits an ägyptischen Mumien bechterewartige Veränderungen. Dazu ein Artikel aus dem Bechterew-Brief 91 (Dezember 2002) vom DVMB:


4000 Jahre Spondylitis-ankylosans-Therapie - von Prof. Dr. rer. nat. Ernst Feldtkeller, München, Redaktion 

Vor 100 Jahren wurde die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) noch ganz anders behandelt als heute. Die Notwendigkeit intensiver Bewegungsübungen war noch nicht erkannt. Die Patienten wurden mit einem Gipskorsett ruhig gestellt, um ihnen die Schmerzen zu nehmen, und versteiften entsprechend schnell. Bald nach der Erfindung der Röntgenstrahlung kam die therapeutische Bestrahlung der Wirbelsäule in Gebrauch. Das erste der heute gebräuchlichen nicht-steroidalen Antirheumatika kam erst 1965 auf den Markt.Wie aber sah die Behandlung im Altertum aus? Der Morbus Bechterew ist keine moderne Zivilisationskrankheit. Im Bechterew-Brief Nr. 85 konnten Sie lesen, dass schon der mächtige Pharao RAMSES II. an dieser Krankheit litt. Im Bechterew-Brief Nr. 71 berichteten wir vom Heiligen APA BANE im 4. Jahrhundert n. Chr., und im Bechterew-Brief Nr. 62 von Bechterewlern zur Zeit Jesu in Palästina.Als ich im Spektrum der Wissenschaft vom Februar 2002 las, dass eine der wenigen altägyptischen Papyrus-Rollen medizinischen Inhalts „Ramesseum V“ genannt wird und Rezepte gegen Versteifungen und Verkrümmungen enthielt, dachte ich sofort an unseren Mitpatienten Ramses II. Im Ramesseum auf dem Westufer des Nils (südlich des Zugangs zum Tal der Könige) fand der Kult zu Ehren des verstorbenen Pharao statt. Sollten die Priester in seinem Totentempel hinterlegt haben, mit welcher Therapie der Herrscher zu Lebzeiten behandelt wurde?
Im Ägyptologischen Institut der Universität München fand ich Bücher zu diesem Thema und wurde eines besseren belehrt. Im Jahre 1896 fand der Archäologe J. E. QUIBELL vier Meter tief unter den Resten der aus ungebrannten Lehmziegeln erbauten Magazinräume des Tempels mehrere Gräber. In einer 45 x 30 x 30 cm3 großen Holzkiste lagen sehr schlecht erhaltene Papyrus-Rollen. Wenn man eines der Fragmente zwischen Daumen und Zeigefinger nahm, zerfiel es sofort zu Staub. Aus dem Stil der Hieroglyphen konnte er erkennen, dass es sich um Papyri aus der 12. Dynastie handelte, also aus der Zeit um 1900 v. Chr.. Es musste sich also um Gräber handeln, die 7 Jahrhunderte später durch die Magazinräume des Tempels überbaut wurden.Die Kiste enthielt außerdem Teile von vier Elfenbein-Kastagnetten und weitere Utensilien, die darauf hindeuteten, dass es sich um das Grab eines Magiers und Medizinmanns handelte. Vor allem die Figur eines Mädchens, das in jeder Hand eine Schlange hielt, wies in diese Richtung.Die Papyri wurden sorgfältig geborgen und nach England gebracht. Um sie nicht zu zerstören, wurden sie nicht entrollt. Schließlich fand man in Hugo IBSCHER in Berlin einen Papyruskonservator, dem man die Rettung der Texte zutraute. Er musste zeitweise mit Mundschutz arbeiten, weil der leiseste Atemzug Teile der Schrift wegzublasen drohte. Ihm gelang es tatsächlich, die Papyri Stück für Stück zwischen Glasplatten zu konservieren. Photographien aller konservierten Texte erschienen in einem 1955 von Sir Alan GARDINER herausgegebenen Buch, dem die hier abgebildeten Teile entnommen sind.Von den 18 Papyrusrollen enthielten zwei Rollen Bruchstücke literarischer Erzählungen. Drei Rollen enthielten medizinische oder magisch-medizinische Texte, und alle übrigen enthielten rein magische Texte, also Beschwörungsformeln oder Zaubersprüche (z.B. für die Zukunft von Mutter und Kind nach einer Geburt).Dazu muss man wissen, dass im Altertum (und in Europa selbst noch im Mittelalter) Medizin und Religion eng verknüpft waren. Im alten Ägypten gehörte sowohl zur Herstellung von Arzneimitteln als auch zu ihrer Anwendung die Rezitation einer Beschwörungsformel. So ist es kein Wunder, dass sich im Nachlass eines Medizinmanns auch eine Sammlung einschlägiger Beschwörungsformeln findet.Der Papyrus Ramesseum V ist der einzige Papyrus rein medizinischen Inhalts aus diesem Fund. Im ausgerollten Zustand 1 m lang und 14 cm hoch, enthält der Papyrus Rezepte zur Behandlung rheumatischer Beschwerden, insbesondere gegen Versteifungen und Verkrümmungen. Er wird heute im Britischen Museum in London aufbewahrt. Man nimmt an, dass die Rezepte weitgehend auf Erfahrung beruhen. 

Dem Ägyptologen John BARNS gelang es, die in „kursiven Hieroglyphen“ (einer vereinfachten Schreibschrift) geschriebenen Texte weitgehend zu entziffern. Das in der oberen Hälfte von Bild 2a enthaltene Rezept lautet zum Beispiel:

„Zum Erweichen von allem, was versteift ist: Natron, Bohnen, Behenöl, Nilpferdöl, Krokodilöl, Öl des Silurus-Fischs, Öl der Meeräsche, Weihrauch, süße Myrrhe, Honig, zusammen zu kochen, bandagiere damit jeden Tag, bis es ihm besser geht.“

Und das in der oberen Hälfte von Bild 2b gezeigte Rezept lautet:

„Erweichen von Steifheit und Strecken von Verkrümmungen: Behenöl, Tausendfüßler-Fett, Nilpferd-Fett, Löwen-Fett, Esel-Fett, Krokodil-Fett, Maus-Öl, Eidechsen-Öl, Schlangen-Öl, Erdmandelöl, Wachs, werde zu einer Masse gekocht, damit jeden Tag salben, bis es ihm besser geht.“

Selbstverständlich waren diese Rezepte nicht ausschließlich der Spondylitis ankylosans vorbehalten, zumal diese Diagnose damals noch unbekannt war. Wir können aber davon ausgehen, dass unsere Leidensgenossen zu Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. mit diesen und ähnlichen Rezepturen (unter Absingen dazugehörender Beschwörungsformeln) behandelt wurden.

Quellen:
[1] K. Lange, M. Hirmer: Ägypten. Hirmer Verlag München 1967
[2] A. H. Gardiner (Hg.): The Ramesseum Papyri. Oxford University Press, Oxford 1955
[3] R. Schmitz: Geschichte der Pharmazie, Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters. Govi-Verlag Eschborn 1998
[4] J. W. B. Barns (Hg.): Five Ramesseum Papyri. Oxford University Press, Oxford 1956
[5] W. Westendorf: Handbuch der altägyptischen Medizin. Brill Leiden/Boston/Köln 1999


Den Startschuß für die wissenschaftliche Analyse des Krankheitsbildes gaben am Ende des 19. Jahrhunderts der russische Neurologe Wladimir von Bechterew, der deutsche Internist Adolf Strümpell und der französische Neurologe Pierre Marie.

Nach dem ersten wird die Erkrankung im deutschen Sprachraum benannt. International hat sich der Begriff „Spondylitis ankylosans“ (SPA) durchgesetzt. In den USA wertete man die SPA bis in die Mitte dieses Jahrhunderts hinein als Wirbelsäulenvariante der chronischen Polyarthritis (cP). Dass es sich bei der SPA und der cP um zwei völlig unterschiedliche Erkrankungen handelt, wurde in den 70er Jahren durch die Entdeckung der HLA-B27-Assoziation  und die Einführung des Konzepts der seronegativen Spondarthritis unterstützt. Man erkannte, dass der M. Bechterew, die Psoriasis-Arthritis, die reaktive Arthritis und die undifferenzierte Spondarthritis viele klinische und genetische Gemeinsamkeiten aufweisen.